Dreidimensionale Europakarte in Blau- und Grautönen.

Scam-Schäden in Europa: Wie Sie sich vor Betrug schützen

Zurück zum Blog
Alexander Tampier

Alexander Tampier

19. Juni 2026 · 10 Min. Lesezeit

In diesem Artikel erfahren Sie, was hinter den europäischen Scam-Schäden steckt und wie Sie betrügerische Anfragen erkennen und prüfen können. Mit konkreten Empfehlungen für Privatpersonen und Unternehmen.

Eine angebliche Kontosperre, eine unerwartete Zahlungsaufforderung oder ein Anruf vom vermeintlichen IT-Support können im privaten Alltag ebenso auftauchen wie am Arbeitsplatz. Betrügerische Anfragen werden dann gefährlich, wenn Menschen auf dieser Grundlage Geld überweisen, Zugangsdaten eingeben oder fremden Personen Zugriff auf ein Gerät gewähren. Solche Täuschungen werden häufig unter dem englischen Begriff „Scam“ zusammengefasst.

Wie verbreitet diese Betrugsversuche in Europa sind, untersucht eine Studie der Global Anti Scam Alliance. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Ergebnisse einzuordnen sind und wie Privatpersonen und Unternehmen verdächtige Anfragen prüfen können, bevor sie Geld überweisen oder Daten weitergeben.

Was steckt hinter den europäischen Scam-Schäden?

Die Global Anti Scam Alliance (GASA) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich der Bekämpfung von Betrug widmet. Für ihren Bericht „State of Scams in Europe 2026“ wurden 22.260 Erwachsene in Europa befragt. Drei Viertel berichteten, im vergangenen Jahr einem Scam begegnet zu sein. Als wichtigste Kontaktwege nennt die Untersuchung E-Mail, Telefon und SMS (GASA, 2026).

Die Deutsche Welle berichtet auf Grundlage der Studie von geschätzten Verlusten in Höhe von rund 50 Milliarden Euro innerhalb von zwölf Monaten in den untersuchten europäischen Ländern (Deutsche Welle, 2026). Diese Summe beschreibt die Größenordnung der erfassten Betrugsschäden.

E-Mail, Telefon und SMS gehören zum privaten Alltag ebenso wie zur geschäftlichen Kommunikation. Ob eine Nachricht zur eigenen Bank oder zu einem Lieferanten zu passen scheint, ändert daher wenig an der ersten Frage: Stammt die Aufforderung tatsächlich von der genannten Person oder Organisation?

Wie können sich Privatpersonen vor Scams schützen?

Eine Nachricht über ein gesperrtes Konto soll Sie dazu bringen, möglichst schnell zu reagieren. Gerade wenn Sie den genannten Dienst tatsächlich nutzen, kann die Aufforderung plausibel erscheinen. Öffnen Sie die gewohnte App oder geben Sie die Adresse der offiziellen Website selbst im Browser ein, statt einem Link in der Nachricht zu folgen. So können Sie direkt in Ihrem Konto prüfen, ob tatsächlich Handlungsbedarf besteht.

Dieses Vorgehen hilft auch bei anderen Anfragen, die sich über einen bereits bekannten Kontakt unabhängig von der verdächtigen Nachricht klären lassen. Die folgenden Schritte sind im privaten Alltag besonders hilfreich.

  • Zahlungsaufforderungen mit eigenen Unterlagen abgleichen. Prüfen Sie bei einer unerwarteten Rechnung, ob Sie etwas bestellt haben und ob Betrag und Anbieter dazu passen. Fragen Sie beim Anbieter über dessen bekannten Kundenservice nach, bevor Sie bezahlen.
  • Angebliche Angehörige direkt kontaktieren. Bittet jemand über eine neue Telefonnummer im Namen eines Familienmitglieds um Geld, rufen Sie die betreffende Person unter ihrer bisherigen Nummer an. Eine Erklärung im selben Chat bestätigt die Identität nicht.
  • Zugangsdaten und Bestätigungscodes nicht weitergeben. Wenn ein Anrufer diese Angaben verlangt, beenden Sie das Gespräch und wenden Sie sich selbst an den offiziellen Kundenservice. Geben Sie auch in einer unerwartet zugesandten Anmeldemaske keine Daten ein.
  • Konten mit einem zusätzlichen Anmeldenachweis absichern. Aktivieren Sie Mehr-Faktor-Authentifizierung, wo sie angeboten wird, insbesondere für Ihr E-Mail-Konto. So reicht ein gestohlenes Passwort allein nicht aus, um sich anzumelden.

Wenn Sie trotz dieser Prüfungen unsicher bleiben, besprechen Sie die Anfrage mit einer vertrauten Person, bevor Sie darauf reagieren. Ein gemeinsamer Blick kann helfen, Unstimmigkeiten zu erkennen, die unter dem Druck einer vermeintlich dringenden Aufforderung zunächst nicht auffallen. Verdächtige Nachrichten oder Websites können Sie außerdem über das Meldeformular von Watchlist Internet weitergeben und so auf eine mögliche Betrugsmasche aufmerksam machen.

Was ändert sich bei betrügerischen Anfragen im Unternehmen?

Bei geschäftlichen Anfragen reicht es nicht, dass der Name eines bekannten Lieferanten oder einer Führungskraft in der Nachricht steht. Soll beispielsweise eine Rechnung auf ein neues Konto überwiesen werden, muss die Änderung vor der Zahlung beim Lieferanten bestätigt werden. Im Betrieb sollte deshalb feststehen, wer diese Rückfrage übernimmt und wie die Bestätigung dokumentiert wird, damit sie bei der späteren Zahlung nachvollziehbar ist.

Welche Betrugsmaschen begegnen Unternehmen im Alltag?

Im Betrieb hängt das mögliche Schadensausmaß davon ab, wozu eine Anfrage auffordert. Eine manipulierte Rechnung zielt auf eine Überweisung, während eine gefälschte Anmeldeseite Zugang zu einem Konto verschaffen soll. Diese Unterscheidung hilft Beschäftigten zu verstehen, weshalb sie eine bestimmte Anfrage überprüfen müssen.

Situation Was dahinterstecken kann Wie sich die Anfrage prüfen lässt
Ein Lieferant teilt per E-Mail eine neue Bankverbindung mit. Kriminelle versuchen, eine anstehende Zahlung auf ihr Konto umzuleiten. Die Buchhaltung lässt die Änderung beim Lieferanten über eine bereits bekannte Telefonnummer bestätigen.
Die Geschäftsführung verlangt eine dringende, vertrauliche Überweisung. Die Nachricht stammt möglicherweise von einer Person, die sich als Führungskraft ausgibt. Die zuständige Person bestätigt den Auftrag unabhängig von der Nachricht; die vereinbarte Freigabe bleibt erforderlich.
Eine Nachricht fordert zur Anmeldung auf, weil ein Konto angeblich gesperrt wird. Eine nachgebaute Anmeldeseite soll Zugangsdaten abfangen. Beschäftigte öffnen den Dienst über den gewohnten Zugang und prüfen dort, ob tatsächlich Handlungsbedarf besteht.
Ein unerwarteter Anrufer verlangt als angeblicher IT-Support Fernzugriff auf ein Gerät. Unter dem Vorwand einer Reparatur soll Zugriff auf das Gerät erlangt werden. Beschäftigte beenden das Gespräch und fragen beim bekannten IT-Kontakt nach, ob ein solcher Auftrag besteht.

Bei der vermeintlichen Anweisung einer Führungskraft handelt es sich um CEO-Fraud. Wenn Kriminelle Namen, Aufgaben oder laufende Projekte recherchieren, können sie ihre Nachricht gezielt auf die angesprochene Person zuschneiden. Wie diese Vorbereitung funktioniert, erklärt der Beitrag zu Spear Phishing.

Die Beispiele zeigen auch, weshalb allein die Prüfung auf Rechtschreibfehler zu kurz greift. Eine Nachricht kann sprachlich einwandfrei sein und trotzdem zu einer unberechtigten Zahlung auffordern. Für die Entscheidung zählt, ob der Auftrag tatsächlich von der genannten Person stammt und ob sich sein Inhalt unabhängig bestätigen lässt.

Wie ergänzen Unternehmen die Prüfung durch verbindliche Abläufe?

Schulungen helfen Beschäftigten, verdächtige Aufforderungen zu erkennen. Im Arbeitsalltag bleibt jedoch auch nach einer Schulung die Frage, wie sie mit einer plausiblen, aber ungewöhnlichen Anfrage umgehen sollen. Wer eine neue Bankverbindung erhält, braucht beispielsweise einen bekannten Kontakt beim Lieferanten und die Befugnis, die Zahlung bis zur Klärung zurückzustellen.

Ein sinnvoller Ablauf verbindet deshalb das Erkennen mit einer konkreten nächsten Handlung. Die folgenden Maßnahmen lassen sich auf die Zuständigkeiten im eigenen Betrieb abstimmen.

  • Änderungen an Bankdaten bestätigen lassen. Eine E-Mail allein sollte nicht ausreichen, um die gespeicherte Kontoverbindung zu ändern. Die Buchhaltung fragt über bereits bekannte Kontaktdaten beim Geschäftspartner nach und hält die Bestätigung fest, bevor die neuen Daten verwendet werden.
  • Freigaben und Vertretungen festlegen. Vereinbaren Sie, welche Zahlungen eine zweite Person prüfen muss und wer bei Abwesenheit übernimmt. Auch ein dringender Auftrag der Geschäftsführung sollte diesen Ablauf einhalten.
  • Konten zusätzlich absichern. Mehr-Faktor-Authentifizierung ergänzt das Passwort um einen weiteren Nachweis und erschwert damit unberechtigte Anmeldungen. Die IT sollte insbesondere E-Mail-Konten und Zugänge zu Finanzanwendungen berücksichtigen, weil darüber weitere Anfragen und Zahlungen vorbereitet werden können.
  • Supportanfragen über bekannte Kontakte klären. Beschäftigte sollten wissen, welche interne Stelle oder welcher IT-Dienstleister ihre Geräte betreut. Ein unerwarteter Anruf ist dann ein Anlass zur Rückfrage, bevor Software installiert oder Fernzugriff erlaubt wird.
  • Prüfung und Meldung praktisch üben. Nutzen Sie Beispiele, die zu den Aufgaben der Beschäftigten passen. Bei einer verdächtigen Rechnung sollte die Übung auch klären, wer den Lieferanten kontaktiert und an wen die Nachricht intern weitergegeben wird.

Die Geschäftsführung schafft dafür die nötigen Voraussetzungen, indem sie Rückfragen ausdrücklich unterstützt und erreichbare Ansprechpersonen benennt. So können Beschäftigte einen ungewöhnlichen Auftrag zurückstellen, ohne zunächst selbst beweisen zu müssen, dass es sich um Betrug handelt. Wie sich Schulungen und Übungen über das Jahr planen lassen, beschreibt unser Leitfaden für ein Security-Awareness-Konzept.

Was ist bei einem Scam-Verdacht zu tun?

Solange eine Anfrage ungeklärt ist, sollte die verlangte Zahlung, Datenweitergabe oder Freigabe ausgesetzt werden. Bewahren Sie die Nachricht zur Prüfung auf. Bei einer privaten Anfrage kontaktieren Sie den tatsächlichen Anbieter über dessen offiziellen Kundenservice; im Unternehmen wenden Sie sich an die zuständige interne Stelle. Falls Sie bereits reagiert haben, ist entscheidend, was genau passiert ist.

  • Geld wurde überwiesen. Kontaktieren Sie sofort die Bank und lassen Sie prüfen, ob die Zahlung noch gestoppt oder zurückgerufen werden kann. Halten Sie den Zahlungsbeleg und die Angaben zum Empfängerkonto bereit.
  • Zugangsdaten wurden eingegeben. Ändern Sie das betroffene Passwort über den offiziellen Zugang. Bei einem privaten Konto unterstützt der Kundenservice bei der Prüfung unbekannter Zugriffe. Bei einem Firmenkonto informieren Sie sofort die IT, damit sie auch bestehende Anmeldungen und Änderungen am Konto prüfen kann.
  • Ein Anhang wurde geöffnet oder Fernzugriff erlaubt. Lassen Sie das Gerät von der zuständigen IT oder bei einem privaten Gerät von einem vertrauenswürdigen IT-Dienstleister prüfen. Beschreiben Sie, welche Datei geöffnet, welche Software installiert oder welche Berechtigung erteilt wurde.

Das österreichische IKT-Sicherheitsportal beschreibt die ersten Schritte nach einem Phishing-Vorfall, darunter Passwortänderungen, die Kontaktaufnahme mit der Bank und eine Anzeige bei der Polizei. Für die Klärung helfen die ursprünglichen Nachrichten, Zahlungsbelege und eine kurze Beschreibung des Ablaufs. An wen verdächtige Nachrichten im Unternehmen und privat gemeldet werden können, erklärt der Beitrag Phishing-Mail melden.

Im Unternehmen lohnt sich nach der Bearbeitung eines Vorfalls ein gemeinsamer Blick auf die offene Stelle im Ablauf. War die Ansprechperson nicht erreichbar, blieb eine Zuständigkeit unklar oder wurde eine Freigabe übersprungen? Daraus ergeben sich konkrete Änderungen für den nächsten Verdachtsfall.

Häufige Fragen zu Scams und Betrugsprävention

Was ist ein Scam?

Scam ist der englische Begriff für Betrug. Gemeint sind Täuschungen, mit denen Kriminelle beispielsweise Geld, vertrauliche Daten oder Zugang zu einem Konto erlangen wollen. Die Kontaktaufnahme kann über E-Mail, Telefon, SMS oder andere Kommunikationswege erfolgen.

Was sollte ich bei einer unerwarteten Zahlungsaufforderung tun?

Prüfen Sie zunächst, ob die Forderung zu einer tatsächlichen Bestellung oder einem vereinbarten Auftrag passt. Kontaktieren Sie die genannte Person oder Organisation über bereits bekannte Kontaktdaten. Im Unternehmen müssen zusätzlich die vereinbarten Zahlungsfreigaben eingehalten werden.

Womit sollte ein kleines Unternehmen beginnen?

Beginnen Sie bei den Anfragen, die unmittelbar eine Zahlung, Datenweitergabe oder einen Kontozugriff auslösen können. Legen Sie fest, wer ungewöhnliche Aufträge bestätigt und wie diese Person über bekannte Kontaktdaten erreichbar ist. Besprechen und üben Sie den Ablauf anschließend mit den beteiligten Beschäftigten.

Verdächtige Anfragen vor dem Handeln klären

Die europäischen Schadenszahlen zeigen, welche Folgen Betrug für Betroffene haben kann. Im privaten Alltag hilft es, unerwartete Aufforderungen über die gewohnte App oder einen bekannten Kontakt zu prüfen. Unternehmen ergänzen diese Prüfung durch klare Zuständigkeiten und Freigaben. In beiden Fällen sollte eine offene Frage geklärt sein, bevor Geld überwiesen oder ein Zugriff erlaubt wird.

scam-schaedenbetrugspraeventiongasa-2026internetbetrug-oesterreichawareness-training